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Corona und unser Nicht-Wissen

Veröffentlicht am 13.05.2020

Was das alles so macht mit uns und unseren Plänen....

Mitte März haben wir uns schweren Herzens entschieden, unser Gemeinschaftswochenende "Anfangen & Mitmachen II" abzusagen. Kurz davor oder kurz danach - das wäre im Kalender rekonstruierbar, aber ehrlicherweise halte ich (Julia) hier mal fest, wie sehr mir die zeitliche Abfolge der Dinge entglitten ist - haben Schulen und Kindergärten geschlossen. Zwischen HomeSchooling, HomeKindergardening, gleichzeitigem HomeOffice und Beräumung und Instandsetzung des Hofes sowie notwendigen Arbeiten im Garten war lange - wirklich bis jetzt, Mitte Mai - keine Zeit und keine freie geistige Kapazität mehr, um schriftlich an die Außenwelt zu treten. Die Trauer, das vielschichtige Chaos, das Finden eines jeweils eigenen und auch eines gemeinsamen Umgangs mit dem Virus und den daraus resultierenden Beschränkungen, der Wegfall der helfenden Hände, die Nachrichtenlage und die Reaktionen der lebendigen Umwelt haben uns enorm in Atem gehalten.
Dazwischen waren wertvolle und hilfreiche Gespräche in der Nachbarschaft und im Bekanntes- und Freundeskreis. In diesen Gesprächen entstand die meiste Nähe, wenn wir einander das gemeinsame Nicht-Wissen eingestanden.

Da stehen wir auch jetzt in Bezug auf die Frage, wie es weitergeht mit unserem Gemeinschaftsprojekt. Wir hatten einen - noch so zarten - Plan für dieses Jahr. Und Schwupps, wie das so ist mit Plänen - alles hin.
Der Plan war: Vier Gemeinschaftswochenenden, dazu das Erdfest, ein Hoffest, mehrere Veranstaltungen des Lindenhofs unterstützen, einen Unterstützerkreis bilden, unsere Hochzeit feiern und im Herbst das renovierte Torhaus beziehen können. Im Winter Luxus genießen: Wohnen mit Heizung, warmem Wasser und einem Familienbad im Haus.
Aus dem Unterstützerkreis heraus sollte es möglich sein, dass Menschen näher kommen, dass Entscheidungen wachsen und vielleicht im Herbst schon jemand - vielleicht auch erstmal probeweise - mit uns wohnen möchte. Der Sommer sollte mit Gästen gefüllt sein. Helfenden und solchen, die nur Urlaub machen. Mit Lagerfeuern und weiter entstehenden Konzepten, Träumen, Plänen.
Und jetzt? Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir wenig Ahnung, wie es weitergeht. Gemeinschaftsprozesse sind ihrem Wesen nach Prozesse der Annäherung. Körperliche Nähe ist derzeit nicht ohne Aushandlung, Fragen und explizite Abwägungen möglich. Interessante Sache irgendwie. Und irgendwie genau unser Thema, nur aus einem vollkommen anderen Blickwinkel, als uns jemals selbst in den Sinn gekommen wäre.

Zwischendurch hatte ich (Julia) Momente von Hoffnung und Freude, die sich geradezu wild anfühlten. Und unbegründet. Aber trotzdem da waren. Und aus diesen Momenten entstanden Gedanken wie: Wenn der ganze Mist vorbei ist, dann laden wir einfach am allerersten Wochenende, wo das wieder geht, alle ein. Einfach alle. Wer will kann kommen. Und wir feiern erstmal, dass das wieder geht, das Feiern. Und machen zum Thema, was "das alles" mit uns gemacht hat. Was es mit dem Thema "Nähe" gemacht hat für uns. Was mit unseren Sehnsüchten passiert ist. Mit unserer Einsamkeit oder auch unserem Fehlen von Alleinsein. Aber recht schnell, so Ende März, als der Teil von mir, der wissensdurstig, wissenschaftlich geschult und analytisch unterwegs ist, sich hinreichend orientiert fühlte, sank in diese Freude eine Erkenntnis: Auf recht lange Zeit wird Nähe nicht mehr so unbeschwert möglich sein. Es sind ganz neue und andere Bedingungen da.

Sich mit denen auseinander zu setzen fühlt sich noch immer wie das richtige Thema an. Gleichzeitig sind diese neuen Bedingungen aber auch anzuerkennen. Sie sind da. Sie zu ignorieren ist zumindest für mich nicht möglich. Weil ich eben diesen Anteil habe und der auch stark ist, und von mir mit Liebe und Anerkennung behandelt wird.
Wie geht das nun zusammen? Ich kann mir Wege vorstellen, wie auf dem Grundstück des Mattheshofs Menschen zusammenkommen unter Achtung von Einmeterfünfzigabstand und im Freien. Das könnte mein analytischer Anteil gut aushalten. Wenn denn die Aushandlungsprozesse gelingen. Aber wie geht das organisatorisch? Wo übernachten die Menschen, wenn sie von weiter herkommen? Wo kommt das Essen her? Wie viele sind maximal möglich? Können wir das iterativ angehen? Mit sagen wir mal fünf Leuten ausprobieren, dann auswerten, einen neuen Plan machen, neu ausprobieren? Und bricht jetzt aus welcher Richtung auch immer der Shitstorm los über uns? Halte ich das dann aus?

Einen zarten Anfang könnte ich mir folgenderweise vorstellen:
1. Das Erdfest
2. Treffen im Freien Fremde im Freien finden*
3. Mindestens zwei Wochen Zwangsgemeinschaft

*Das Erdfest*
Genau zum Erdfest sind wir 2019 auf dem Mattheshof eingezogen. Das findet vom 19.-21.6.2020 statt und hat mich in seiner Einfachheit sehr überzeugt. Siehe https://erdfest.org/de

Der Plan wäre:
Einladen, den Tag gemeinsam in der Natur verbringen, achtsam miteinander sein. Abends wieder auseinandergehen. Nachwirken lassen. Braucht das jemand außer mir? Bitte melden.

 


*Fremde im Freien finden*
Herzlich willkommen, hier ist mein alberner Anteil anhand von Alliterationen auffindbar. (Sorry, musste sein.)
Hier ist die Idee, die derzeit nicht stattfindenden Gemeinschaftswochenenden umzuwandeln in kleine Begegnungen mit Einzelnen Menschen im Freien zum Kennenlernen. Ursprünglich wollten wir vermeiden, jedes Wochenende fremde Menschen über das Grundstück zu führen und Kennenlerngespräche zu führen, weil wir 2019 recht schnell gemerkt haben, wie anstrengend und zeitaufwändig das ist. Da haben die Gemeinschaften in denen wir bereits gelebt haben und mit denen wir verbunden sind, einfach schon den Lernprozess durch, und veranstalten Kennenlernwochenenden. Und weil wir das Rad nicht neu erfinden müssen, wollten wir das auch so halten. Nun sind diese Gemeinschaftswochenenden derzeit außer Diskussion. (Siehe oben.) Also muss übergangsweise etwas Anderes her, wenn wir unseren Gemeinschaftsgedanken nicht komplett ad acta legen wollen. Wir sind "sowieso zu Hause", und derzeit lernt man ja auch nicht so viele neue Leute kennen. Vielleicht sind da ja innerlich die Kapazitäten offen? Wer das so ausprobieren mag, kann uns kontaktieren. Wenn es nicht (mehr) geht, müssen wir das dann halt neu mitteilen.

*Mindestens zwei Wochen Zwangsgemeinschaft*
Na, hat Dich das Wort an getickt? Uns tickt es an. Und wir sind uns auch nicht so sicher, ob das wirklich schlau ist, oder ob wir uns hier heillos überfordern. Stell dir vor, Du fährst zu fremden Menschen und weil dieser verdammte Virus nun mal zwei Wochen (give or take) Inkubationszeit hat, und Du Dich auch irgendwie verantwortlich und solidarisch verhalten möchtest, soweit das bei aller Inkonsequenz und allem Nicht-Wissen möglich ist, gibst Du von Anfang an Dein Committment, mindestens zwei Wochen da zu bleiben. Wenn in der Zeit wer krank wird, hängt ihr / hängen wir auf Gedeih und Verderb in Quarantäne zusammen. Stell Dir vor, das geht schief ... und stell Dir vor, das geht nicht schief ... Wie sieht das jeweils aus?

Wer ernsthaft bereit ist, sich auf eines der Experimente einzulassen, der melde sich per E-Mail.  Ja, das ist mit Absicht ein bisserl umständlich.

Jahresplanung 2020

 

Veranstaltungen auf dem Mattheshof und in Auterwitz

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